leseproben

Flaschenpost ohne rückschein trieb sie im wind mit briefen in eine spurlose auszeit welche chance hatte sie über die gelben postalischen hürden zu springen mit papiertrockenen augen du hast sie dem weltoffenen meer anvertraut buchstabenatem im zugekorkten raum fest eingerollt gewichtet für den gezeitenstrom. wenig luft blieb ihr weit aus dem fenster gelehnte träume ohne einschreiben, ohne pass und visum, überlassen einem freund gläsernes denkmal einem ganzen meer zu füßen gelegt hütet das blaue postamt noch immer deinen nachlass
Todesstreifen Keine Sprinkleranlage ging an, wenn es brannte im lichtlosen Fleisch unterm Tarnanzug. So verkehrsberuhigt war es nirgendswo. Der Stille hier stand jeder im Weg.
Im Fadenkreuz der Mensch Sprengung der Versöhnungskirche in Berlin, Bernauer Str. 4, Januar 1985 I Gott für eine klare Sichtschneise aus der Schusslinie gesprengt. Sein Haus hat den Boden unter den Füßen verloren. Versöhnung in die Luft geflogen. Ich sehe den Turm, wie hingerichtet, sein stürzendes Haupt. Hier haben bis zuletzt die Glocken ausgeharrt, sie konnten keinen Alarm mehr schlagen. II Weitsicht für die Zielfernrohre, groß genug geworden. Entzug von Hoffnung, Abrisstag für alle, die hier wohnen. Fortan kein Stundenschlag, kein Schatten mehr des Turmes. Es kann sich keiner an das Kreuz mehr ketten. III Zündschnurzeit, wenn eine Hand den Knopf berührt. Kein Gras kann drüber wachsen. Kein Tod mit ungestörter Durchschlafzeit, im Stein das Auferstehungszeichen einer angehaltenen Stunde.
Der LiteraturRat Mecklenburg-Vorpommern und die RISSE – Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern lobten unter dem Titel „Die Freiheit ist ja da“ einen Literaturwettbewerb zum 30. Jahrestag des Mauerfalls aus und suchten literarische Texte von Autor*innen aus Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Informationen sowie einen Ausschnitt aus der Laudatio finden Sie hier >> Die drei prämierte Gedichte:
Mehr zu „30 Jahre Mauerfall“:
1961 Im August Ein Schifflein aus Papier kam durch die Spree geschwommen, der Wachmann hats gesehn, hat sein Gewehr genommen, da musst es untergehn.
13. August 1961 Wir trinken zu viel in dieser Nacht. Es ist das Gefühl, unter wolkenlosem Himmel im Regen zu stehn. Unter uns schon Schatten, von denen ich später erst weiß.
Mauertrabis Vorbei an der East Side Gallery 2019 im Zweiertakt Sie harren aus und gehn nicht unter. Was sank, lief nur auf Grund. Als Vorrat blieb genügend Sprit im Tank. Sie schießen noch aus allen Rohren, und halten so die alten Tage wach. Sie treiben uns die Tränen in die Augen und zeigen, dass die alten Nebelbomben noch was taugen, denn auf den Fuß folgt gleich der Husten nach. Die Masten und die alten Fahnen, ragen aus den Wracks noch heute, sind manchen Sammlers eitle Freude. Er gibt noch morgen kräftig Gas. Jedoch die Zeit vergisst, wer da am Steuer saß. Was gestern war, es findet seine Beute, fährt seinen Schatten unversehrt ins Heute. Die Zeit ist ruchbar noch, die das gebar.
im orbit mein traum hat das aLL erreicht die schwerkraft hinter sich gelassen er spürt dass es kein unten und kein oben gibt. es war ein traum von schwärze vom moor von gefangensein im bequemen sessel schließ ich die augen und unten kreist schutzlos die erde erschöpft ohnmächtig sich nicht wehren zu können ausgesetzt zunehmender gleichgültigkeit
Nicht weniger In der Geschichte gibt es Momente, wo es notwendig ist, etwas zu tun. Nun ist die Zeit dafür gekommen. In einem halben Jahr, in einem Jahr wird es schon für immer zu spät sein. Jan Pallach Funkspruch an alle ... Funkspruch an alle ... Oscar Brüsewitz Bleibende Orte ein einziges Streichholz für so viel Erinnern. Nicht immer bleibt Asche zurück. Der Wind sucht sich seinen Weg, Als die Nachrichten mich wach machten und ich in Zeitungen keine Antworten fand, war der Tod längst vorübergegangen, irritiert vom Echo, vom schmalen Beifall. Als sie in Flammen standen der Rauch schon aufstieg warf keiner ihnen einen Mantel über, ihnen das Feuer vom Leib zu reißen. Nicht die Städte bauen Brücken, mein Wort ist hungrig nach Wahrheit.
Slawa Und ich erinnere mich an das Gesicht eines jungen Deutschen. Er stand in der ersten Reihe; er hatte eine Brille. Und zum Ende der Sarabande habe ich gesehen, dass er geweint hat, ohne die Brille abzusetzen. Und da habe ich verstanden, dass alles was wir da machten, richtig war. Mstislaw Rostropowitsch, am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer am Checkpoint Charly. Die Saiten deines Cellos, wie unsere Zeit zum Zerreißen gespannt, wie Telegrafendrähte mit sich überschneidenden Nachrichten. Dein Gesicht über dem bernsteinfarbenen Holz leuchtet auf im Spiel, versetzt die lärmende Welt in Stille, greift ein in den Raum und füllt das erstarrte Niemandsland Ton für Ton. Höre noch, wie die schmalen Ströme der Saiten unter der Brücke deines Bogens zusammenfließen, sehe das Cello an die Mauer gelehnt wie ein Boot, das sein Ufer erreichte.
Memento Für Ulrich Schacht (*1951; † 2018) I Hoheneck In Kälte, in Gefangenschaft, bist du geboren. Dein kindlicher Schrei fiel in den Schatten der Mauer. II Kein Ausruhn Sanduhr mit dem abgerissnen Riesellot, verstreut in den Gründen der Schwerkraft. Was eben noch atmete, im Wachsen gedieh, gegen das Schweigen, gegen den Zweifel, ein Rastplatz aus Nebel, mit angehaltener Uhr. Wer aber kommt, stellt die Uhr auf den Kopf, dass ihr Sand wie Regen fällt aus einer Wolke, die die Saat nicht im Stich lässt.
Hölderlinturm In blassem Gelb erstarrt der Turm – eine Sonderausgabe von Kartengrüßen. Im Blaulicht der Neckar. Im obersten Stockwerk die Schreibstube, noch genug Raum, durch blankgeriebene Fenster nach innen zu wandern, Raum, in dem die zerrissenen Hemden aufgehoben sind in Rechnungen für besondere Ausgaben. Erhärtung genug, dass hier einer entzweit zuhause ist. Der Turm wie eine Mühle, der die Flügel fehlen. Du sollst Abstand halten – der Turm ist wieder geöffnet. Aktuell: Der Hölderlinturm bleibt wegen der Corona-Pandemie zunächst bis 10. Januar 2021 geschlossen.
Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin, gewidmet Sture Packalén.
Hölderlin Turmzeit – Wahnsinn wie ein Gewächs, das langsam mit Wurzeln sich festsaugt am Körper, dichter und dichter umklammert das Herz bis der Schrei schon erstickt beim Öffnen des Munds, und die Hände verzweifelt zu greifen suchen das Fernste: den Stern, der schon das Leben abwarf von seinen Ufern – Manchmal auch kamen die Vögel ans Fenster – Es streut der Irrsinnige noch Nahrung aus. (1970)
Neue Nachricht für Paris "Monsieur, — Sie schreiben über Hölderlins Krankheit, aber Sie kennen jenes Buch, in dem behauptet wird, Hölderlin hätte seine Krankheit nur vorgetäuscht." Monsieur, wer so spricht, weiß nichts von Furcht, weiß nicht, wie sehr sie wahnverwandt ist, hielt sich nie auf in dreigespaltenem Jahrhundert oder könnte es je Religion sein, in einem Turme zu leben vierzig Jahre? Chaos kultiviert zu empfinden: Saatkorn zu sein zwischen Mühlsteinen fast ein halbes Jahrhundert? (1981)
Das Gedicht „Hölderlin“ erschien 1973 im Gedichtband von Ulrich Grasnick „Der vieltürige Tag. Gedichte“, S. 145 (>> ), als Erstveröffentlichung. Dieses und das bisher unveröffentlichte Gedicht „Neue Nachricht für Paris“ findet man als belletristische Zeugnisse zu Hölderlin in dem Buch von Sture Packalén „ZUM HÖLDERLINBILD IN DER BUNDESREPUBLIK UND IN DER DDR“ (Stockholm, Acta Universitatis Upsaliensis 1986, S. 216 und 217). Zwischenzeitlich wurde dieses Buch von der Universität zu Uppsala digitalisiert und kann kostenlos heruntergeladen werden.
III Nachhall Predigerkirche Du hast die gläsernen Wunden gesehn. Wir redeten über den zerbrochenen Regenbogen im zersplitterten Fenster. Unser Blick fiel in das Zwielicht geborgener Trümmer, in die aus Scherben aufgebrochene Klarheit. Wir glaubten, die Bruchstücke könnten in ihrem Leuchten verstummen, aber sie waren wie Herbstlaub, das im Wind fliegt, zu glühen beginnt in der Sonne. Es dauert die Nacht bis Schnee in den Schlaf fällt. Du sagst: „Wir wissen den Weg zum Meer das im Eis begraben liegt. Wir wissen was wir nicht sehn aber wieder erkennen…

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Der   LiteraturRat   Mecklenburg-Vorpommern   und   die   RISSE   –   Zeitschrift   für   Literatur   in Mecklenburg    und   Vorpommern    lobten    unter    dem   Titel    „Die    Freiheit    ist    ja    da“    einen Literaturwettbewerb   zum   30.   Jahrestag   des   Mauerfalls   aus   und   suchten   literarische   Texte von    Autor*innen    aus    Mecklenburg-Vorpommern.    Weitere    Informationen    sowie    einen Ausschnitt aus der Laudatio finden Sie hier >> Die drei prämierte Gedichte:
Flaschenpost ohne rückschein trieb sie im wind mit briefen in eine spurlose auszeit welche chance hatte sie über die gelben postalischen hürden zu springen mit papiertrockenen augen du hast sie dem weltoffenen meer anvertraut buchstabenatem im zugekorkten raum fest eingerollt gewichtet für den gezeitenstrom. wenig luft blieb ihr weit aus dem fenster gelehnte träume ohne einschreiben, ohne pass und visum, überlassen einem freund gläsernes denkmal einem ganzen meer zu füßen gelegt hütet das blaue postamt noch immer deinen nachlass
Todesstreifen Keine Sprinkleranlage ging an, wenn es brannte im lichtlosen Fleisch unterm Tarnanzug. So verkehrsberuhigt war es nirgendswo. Der Stille hier stand jeder im Weg.
Fadenkreuz der Mensch Sprengung der Versöhnungskirche in Berlin, Bernauer Str. 4, Januar 1985 I Gott für eine klare Sichtschneise aus der Schusslinie gesprengt. Sein Haus hat den Boden unter den Füßen verloren. Versöhnung in die Luft geflogen. Ich sehe den Turm, wie hingerichtet, sein stürzendes Haupt. Hier haben bis zuletzt die Glocken ausgeharrt, sie konnten keinen Alarm mehr schlagen. II Weitsicht für die Zielfernrohre, groß genug geworden. Entzug von Hoffnung, Abrisstag für alle, die hier wohnen. Fortan kein Stundenschlag, kein Schatten mehr des Turmes. Es kann sich keiner an das Kreuz mehr ketten. III Zündschnurzeit, wenn eine Hand den Knopf berührt. Kein Gras kann drüber wachsen. Kein Tod mit ungestörter Durchschlafzeit, im Stein das Auferstehungszeichen einer angehaltenen Stunde.
Mehr zu „30 Jahre Mauerfall“:
Mauertrabis Vorbei an der East Side Gallery 2019 im Zweiertakt Sie harren aus und gehn nicht unter. Was sank, lief nur auf Grund. Als Vorrat blieb genügend Sprit im Tank. Sie schießen noch aus allen Rohren, und halten so die alten Tage wach. Sie treiben uns die Tränen in die Augen und zeigen, dass die alten Nebelbomben noch was taugen, denn auf den Fuß folgt gleich der Husten nach. Die Masten und die alten Fahnen, ragen aus den Wracks noch heute, sind manchen Sammlers eitle Freude. Er gibt noch morgen kräftig Gas. Jedoch die Zeit vergisst, wer da am Steuer saß. Was gestern war, es findet seine Beute, fährt seinen Schatten unversehrt ins Heute. Die Zeit ist ruchbar noch, die das gebar.
im orbit mein traum hat das aLL erreicht die schwerkraft hinter sich gelassen er spürt dass es kein unten und kein oben gibt. es war ein traum von schwärze vom moor von gefangensein im bequemen sessel schließ ich die augen und unten kreist schutzlos die erde erschöpft ohnmächtig sich nicht wehren zu können ausgesetzt zunehmender gleichgültigkeit
Nicht weniger In der Geschichte gibt es Momente, wo es notwendig ist, etwas zu tun. Nun ist die Zeit dafür gekommen. In einem halben Jahr, in einem Jahr wird es schon für immer zu spät sein. Jan Pallach Funkspruch an alle ... Funkspruch an alle ... Oscar Brüsewitz Bleibende Orte ein einziges Streichholz für so viel Erinnern. Nicht immer bleibt Asche zurück. Der Wind sucht sich seinen Weg, Als die Nachrichten mich wach machten und ich in Zeitungen keine Antworten fand, war der Tod längst vorübergegangen, irritiert vom Echo, vom schmalen Beifall. Als sie in Flammen standen der Rauch schon aufstieg warf keiner ihnen einen Mantel über, ihnen das Feuer vom Leib zu reißen. Nicht die Städte bauen Brücken, mein Wort ist hungrig nach Wahrheit.
13. August 1961 Wir trinken zu viel in dieser Nacht. Es ist das Gefühl, unter wolkenlosem Himmel im Regen zu stehn. Unter uns schon Schatten, von denen ich später erst weiß.
Slawa Und ich erinnere mich an das Gesicht eines jungen Deutschen. Er stand in der ersten Reihe; er hatte eine Brille. Und zum Ende der Sarabande habe ich gesehen, dass er geweint hat, ohne die Brille abzusetzen. Und da habe ich verstanden, dass alles was wir da machten, richtig war. Mstislaw Rostropowitsch, am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer am Checkpoint Charly. Die Saiten deines Cellos, wie unsere Zeit zum Zerreißen gespannt, wie Telegrafendrähte mit sich überschneidenden Nachrichten. Dein Gesicht über dem bernsteinfarbenen Holz leuchtet auf im Spiel, versetzt die lärmende Welt in Stille, greift ein in den Raum und füllt das erstarrte Niemandsland Ton für Ton. Höre noch, wie die schmalen Ströme der Saiten unter der Brücke deines Bogens zusammenfließen, sehe das Cello an die Mauer gelehnt wie ein Boot, das sein Ufer erreichte.
Memento Für Ulrich Schacht (*1951; † 2018) I Hoheneck In Kälte, in Gefangenschaft, bist du geboren. Dein kindlicher Schrei fiel in den Schatten der Mauer.
II Kein Ausruhn Sanduhr mit dem abgerissnen Riesellot, verstreut in den Gründen der Schwerkraft. Was eben noch atmete, im Wachsen gedieh, gegen das Schweigen, gegen den Zweifel, ein Rastplatz aus Nebel, mit angehaltener Uhr. Wer aber kommt, stellt die Uhr auf den Kopf, dass ihr Sand wie Regen fällt aus einer Wolke, die die Saat nicht im Stich lässt.
Hölderlinturm In blassem Gelb erstarrt der Turm – eine Sonderausgabe von Kartengrüßen. Im Blaulicht der Neckar. Im obersten Stockwerk die Schreibstube, noch genug Raum, durch blankgeriebene Fenster nach innen zu wandern, Raum, in dem die zerrissenen Hemden aufgehoben sind in Rechnungen für besondere Ausgaben. Erhärtung genug, dass hier einer entzweit zuhause ist. Der Turm wie eine Mühle, der die Flügel fehlen. Du sollst Abstand halten – der Turm ist wieder geöffnet. Aktuell: Der Hölderlinturm bleibt wegen der Corona-Pandemie zunächst bis 10. Januar 2021 geschlossen.
Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin, gewidmet Sture Packalén.
Hölderlin Turmzeit – Wahnsinn wie ein Gewächs, das langsam mit Wurzeln sich festsaugt am Körper, dichter und dichter umklammert das Herz bis der Schrei schon erstickt beim Öffnen des Munds, und die Hände verzweifelt zu greifen suchen das Fernste: den Stern, der schon das Leben abwarf von seinen Ufern – Manchmal auch kamen die Vögel ans Fenster – Es streut der Irrsinnige noch Nahrung aus. (1970)
Neue Nachricht für Paris "Monsieur, — Sie schreiben über Hölderlins Krankheit, aber Sie kennen jenes Buch, in dem behauptet wird, Hölderlin hätte seine Krankheit nur vorgetäuscht." Monsieur, wer so spricht, weiß nichts von Furcht, weiß nicht, wie sehr sie wahnverwandt ist, hielt sich nie auf in dreigespaltenem Jahrhundert oder könnte es je Religion sein, in einem Turme zu leben vierzig Jahre? Chaos kultiviert zu empfinden: Saatkorn zu sein zwischen Mühlsteinen fast ein halbes Jahrhundert? (1981)
Das Gedicht „Hölderlin“ erschien 1973 im Gedichtband von Ulrich Grasnick „Der vieltürige Tag. Gedichte“, S. 145 (>>), als Erstveröffentlichung. Dieses und das bisher unveröffentlichte Gedicht „Neue Nachricht für Paris“ findet man als belletristische Zeugnisse zu Hölderlin in dem Buch von Sture Packalén „ZUM HÖLDERLINBILD IN DER BUNDESREPUBLIK UND IN DER DDR“ (Stockholm, Acta Universitatis Upsaliensis 1986, S. 216 und 217). Zwischenzeitlich wurde dieses Buch von der Universität zu Uppsala digitalisiert und kann kostenlos heruntergeladen werden.
III Nachhall Predigerkirche Du hast die gläsernen Wunden gesehn. Wir redeten über den zerbrochenen Regenbogen im zersplitterten Fenster. Unser Blick fiel in das Zwielicht geborgener Trümmer, in die aus Scherben aufgebrochene Klarheit. Wir glaubten, die Bruchstücke könnten in ihrem Leuchten verstummen, aber sie waren wie Herbstlaub, das im Wind fliegt, zu glühen beginnt in der Sonne. Es dauert die Nacht bis Schnee in den Schlaf fällt. Du sagst: „Wir wissen den Weg zum Meer das im Eis begraben liegt. Wir wissen was wir nicht sehn aber wieder erkennen…
1961 Im August Ein Schifflein aus Papier kam durch die Spree geschwommen, der Wachmann hats gesehn, hat sein Gewehr genommen, da musst es untergehn.